Seit Wochen liefern sich Internetgiganten einen Machtkampf mit Australien um das neue Mediengesetz “Media News Barging Code”. Alles zu den Machtdemonstrationen von Facebook und Google und zur Lösung des Streits, findet ihr diese Woche in unserem Blog.

Machtkampf zwischen Australien und Internetgiganten

Das neue Mediengesetz: Media News Barging Code

Im April 2020 beauftragte die australische Regierung die ACCC (Australian Competition & Consumer Commission) ein neues Mediengesetz zu entwerfen, um große Technologieplattformen, die in Australien tätig sind, lokale Nachrichtenverlage für die auf ihren Plattformen bereitgestellten oder verlinkten Nachrichteninhalte zu bezahlen. Die Empfehlung für das neue Gesetz kam von der australischen Kartellbehörde, die errechnete, dass von 100 Dollar für Internetwerbung 81 Dollar an Google und Facebook gehen. Am achten Dezember 2020 wurde der Media News Barging Code vorgestellt, der erst einmal nur Auswirkung auf den Facebook NewsFeed und die Google Suche haben sollte. Weiter digitale Plattformen sollten zur Liste hinzugefügt werden, falls nachzuweisen ist, dass sie zu einem Ungleichgewicht der Verhandlungsmacht führen. So dachte es sich jedenfalls die australische Regierung, jedoch waren die angesprochenen Internetgiganten nicht mit dem neuen Gesetzentwurf einverstanden und antworteten entsprechend.

Google lässt die Muskeln spielen

Mitte Januar demonstrierte Google die eigene Marktmacht, drohte die Suchmaschine in Australien komplett abzuschalten und blockierte vorübergehend die Nachrichtenwebsites von “Sydney Herald” und “Australian Financial Review”. Beide Zeitungen gehören dem Medienimperium von Rupert Murdoch an, Australiens größter Verleger. Seine Medienhäuser würden nach Googles Meinung am meisten von dem neuen Gesetz profitieren. Neben diesem “Experiment” der Alphabet-Tochter, erklärt Mel Silva, die Geschäftsführerin von Google Australien, in einem offenen Brief, dass das neue Mediengesetz die Google Suche zerstören würde. Der Media News Barging Code würde für Google bedeuten, dass die Suchmaschine Medienhäuser bezahlen muss, um Links zu ihren Inhalten zu zeigen. Mel Silva vergleicht diese Vorgehensweise mit einer Empfehlung eines Freundes zu Cafés in der Nähe. Mit dem neuen Mediengesetz würden die empfohlenen Cafés jetzt Geld von eurem Bekannten verlangen können. Das macht für Google natürlich keinen Sinn und beide Parteien haben für sich auch schon eine Lösung gefunden.

Die Lösung: Google News Showcase

Statt für Links auf der Suchergebnisseite zu bezahlen unterstützt Google nun Nachrichtenverlage im Google News Showcase. Die Plattform startete in Australien am vierten Februar und hat nach eigener Aussage mehr als 70 australische Verlage an Bord geholt. News Showcase basiert auf dem “News licensing program” und bezahlt die Quellen für qualitativ hochwertigen Journalismus. Das sagt Google selbst dazu: 

By establishing a program to pay news publishers, News Showcase offers a constructive path forward. It enables us to support news publishers while protecting what we and many others – from a small Aussie business selling car parts to the person who invented the internet – will continue to stand up for: a free and open web which works the same way for everyone.”

Alles zu Google News Showcas in Australien findet ihr im Blog von Google.

Facebook sperrt Nachrichten

Auch Facebook reagierte auf das neue Mediengesetz und sperrte erst einmal journalistische Inhalte und auch Regierungsseiten. Unter den Profilen von ABC Australia oder 7NEWS Sydney fand sich zum Beispiel nur noch die Aussage “No posts yet” wieder. Der australische Finanzminister Josh Frydenberg stellte noch einmal klar, was man mit dem Gesetz erreichen wollte. Die digitalen Giganten sollen den Medien Geld bezahlen, dafür dass sie die Inhalte produzieren. Als weitere Antwort auf Facebooks Sperre teilte Gesundheitsminister Greg Hubt mit, dass der Start der Impfkampagne gegen das Coronavirus nicht mehr auf Facebook beworben wird. Laut dem Sender ABC könnte sich der Umsatzverlust für Facebook dadurch auf 10,5 Millionen Australische Dollar belaufen.

Gemeinsame Lösungen finden

Tagelange Gespräche und Diskussionen folgten. Nach dem Streit ist man nun von seitens Facebook aus mehr gewillt mit den Medienkonzernen zusammenzuarbeiten. In den nächsten drei Jahren will Facebook mit mindestens eine Milliarde Dollar die Nachrichtenindustrie unterstützen. Doch Facebook hat auch einen Sieg davon getragen. Der Konzern hinter der Social Media Plattform hat es geschafft Änderungen in dem Gesetzestext zu erwirken. Während die australischen Medienhäuser und die Internetgiganten noch in den Verhandlungen stecken nehmen sich andere den Streit zum Vorbild. Kanada kündigte ein ähnliches Vorgehen gegen die Plattform an und auch Verleger in Europa und Microsoft haben sich für ein ähnliches Modell wie in Australien ausgesprochen. Wir halten euch natürlich in unserem Blog der Woche über alle Entwicklungen auf dem Laufenden.

Newsflash

Shopify-Händler können jetzt ohne Umwege auf Tiktok werben

Shopifys Tiktok-Integration ist nun auch in Deutschland verfügbar. Zum Start sollen Shop-Betreiber mit Werbe-Gutschriften gelockt werden. Wer einen Testzugang oder ein Basic-Konto bei Shopify besitzt kann sich ein Anzeigen-Guthaben in Höhe von 82 Euro sichern. Mit einem Professional-, Unlimited- oder Shopify-Plus Konto gibt es ein Guthaben von 270 Euro.
https://t3n.de/news/shopify-tiktok-social-commerce-deutschland-werbung-1358119/

Statt Facebook Pay: Shopify Pay launcht für Instagram und Facebook Shops

Wer online auf Facebook oder Instagram ein Produkt kaufen möchte, muss dieses meist über Facebook Pay bezahlen. Doch nun kommt eine weitere Möglichkeit für User. Denn durch eine Partnerschaft zwischen Facebook und der E-Commerce Software Shopify wird Shopify Pay als Zahlmethode eingeführt.
https://onlinemarketing.de/e-commerce/shopify-pay-instagram-facebook-shops

Tobias Berger

Tobias Berger

Creatives & Content